Lesen Sie hier ein Interview mit Jan Wallentin
Ein unveröffentlichter Erfolg von Patrik Svensson
Mit „Strindbergs Stern" hat der Journalist Jan Wallentin einen Abenteuerroman geschrieben, der immer wieder mit „Sakrileg" verglichen wird und bereits ein internationaler Erfolg ist. Nun steht nur noch ein unbedeutendes Detail aus: der Roman muss noch zu den Lesern kommen.
Beinahe alle Artikel, die dieser Tage zu Strindbergs Stern erscheinen, beginnen in etwa so: Der Journalist und schriftstellerische Debütant Jan Wallentin hat ein schwedisches „Sakrileg" geschrieben, das bereits in 16 Länder verkauft wurde.
Wie verhält man sich als Schriftsteller in einem solchen Fall? Wenn man also ein internationaler Erfolgsmythos ist, bevor das Buch überhaupt zum ersten Mal rezensiert wurde. Es fühlt sich sehr merkwürdig an, da es sich ja im Grunde um ein Luftschloss handelt. Natürlich zahlen Verleger kein Geld für etwas, das sie für uninteressant halten, bloß weil ich aus Schweden komme. Aber so lange es kein Erfolg bei den Lesern ist, ist es schwer für mich, daran zu glauben, sagt Jan Wallentin bei einem Interview auf der Buchmesse in Göteborg.
Macht die kommende Begegnung mit Ihren Lesern Sie nervös? Erstaunlicherweise nicht. Es sind bisher erst ein paar hundert Menschen, die das Buch gelesen haben. Und ich habe genau die Geschichte geschrieben, die ich schreiben wollte, es gibt also wenig, womit ich unzufrieden sein könnte. Für diesen rasanten Erfolg lassen sich einige einfache Erklärungen finden. „Strindbergs Stern" wird verglichen mit Dan Browns „Sakrileg" und Jule Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde". Man kann auch Stieg Larsson und das „schwedische Krimiphänomen" erwähnen. Ein rasant erzählter Abenteuerroman, geschrieben von einem schwedischen Journalist mit großem Interesse für das Gemeinwesen. Kein Wunder, dass dies große Erwartungen auf dem Buchmarkt schürt. Die Zutaten von „Strindbergs Stern" sind, kurz zusammengefasst: ein tablettenabhängiger Geschichtsprofessor, eine mystische deutschsprechende „Stiftung", ein bisschen Nazismus, ein bisschen Okkultismus und eine schamlose junge Italienerin auf einem Motorrad. Alle jagen sie rund um die Welt, einem mystischen Kreuz und einem ebensolchen Stern hinterher, die zusammen den Schlüssel zum „bestgewahrten Geheimnis der Welt" darstellen.
Sie sagten, dass Ihre Schreibmethode war, Ihre literarischen Ansprüche an sich selbst zu überwinden. Wie meinten Sie das? Als ich jung war schrieb ich viel, dabei war ich aber sehr ängstlich und habe daher schon vor über 15 Jahren damit aufgehört. Als ich nun wieder mit dem Schreiben begann beschloss ich, diesmal dürfe es so unterhaltend sein wie nur irgend möglich, Hauptsache, es macht Spaß. Ich machte mir keine Gedanken, was daraus würde. Mein Leben war nicht davon abhängig und ich hatte nicht das Gefühl, mich rechtfertigen oder beweisen zu müssen.
Woher kommt Ihr Interesse für Geschichte, Okkultismus und nazistische Symbole? Ich interessiere mich schon immer für Verschwörungstheorien. Mich fasziniert, dass sie meist auf kleinen Details basieren, die tatsächlich wahr sind, es ist die Gesamtheit, die dann nicht stimmt. Je mehr ich über solche Theorien las, umso mehr erfuhr ich über nazistischen Okkultismus. Und das ist ein unglaublich faszinierendes Thema. Ebenso wie Andrées Ballonfahrt, die eine Grundlage meines Buches ist, das ist eine fantastische Geschichte. Allein so ein Detail, dass Nils Strindberg sich auf den Nordpol vorbereitete, in dem er im Djurgarden Ski lief...
Die „große Verschwörung", dieser geheime Zusammenhang von historischen Geschehnissen, hat doch eine enorme Anziehungskraft. Was glauben Sie selbst? Ich bin reichlich unkonspirativ, aber rein dramaturgisch gesehen ist es ein kluger Schachzug, an den Grundfesten aller Zusammenhänge zu rütteln. Das schafft eine positive Unsicherheit beim Leser.
Welche Zukunft haben die Charaktere aus „Strindbergs Stern"? Wohl kaum eine. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, wie die Charaktere wieder auferstehen sollten. Ich habe einfach genug von ihnen. Und auch von dem Thema.
Interview von Patrik Svensson mit Jan Wallentin, erschienen am 25.9.2010 in der schwedischen Zeitung Sydsvenskan.
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