Buddhadeva Bose Das Mädchen meines Herzens Buddhadeva Bose (1908-1974), der als wichtigster bengalische Autor gilt, hat mit diesem Buch eine zarte Hommage an die Liebe geschrieben.
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Ein bitterkalter Winterabend auf dem Bahn-hof einer indischen Kleinstadt: Vier einander unbekannte Herren müssen die Nacht im Warteraum verbringen. Sie hängen ihren Ge-danken nach – als plötzlich die Tür aufgeht und ein verliebtes junges Paar zu sehen ist. Dieser kurze Augenblick verändert etwas: Erinnerungen an längst vergangene Tage kommen auf, und die vier beginnen ein Ge-spräch über das Glück. Sie vertreiben sich die langen Stunden mit Geschichten über ihre erste Liebe. Als im Morgengrauen der letzte von ihnen endet, ist die Welt um einen der schönsten Liebesromane des 20. Jahrhunderts reicher. 0 |
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Aus dem Bengalischen von Hanne-Ruth Thomson 192 Seiten € (D) 18,00 / € 18,50(A) / 32, 90 sFr 978-3-550-08813-1 Erscheint am 1. Oktober 2010
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Buddhadeva Bose (1908–1974) zählt zu den wich-tigsten bengalischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er spielte eine zentrale Rolle in der Bewegung der Moderne und war ein renommierter Übersetzer, u.a. von Hölderlin, Rilke und Baudelaire. Der vorliegende Roman erschien zuerst 1951 in Kalkutta.
Foto © privat
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Über das Buch Im Warteraum eines Bahnhofs sitzen vier Männer fest. Da ihr Zug wegen einer Gleissperrung aus-fällt, müssen sie die ganze Nacht miteinander verbringen. Es sind vier sehr unterschiedliche Män-ner aus entgegengesetzten Bereichen der indisch-bengalischen Gesellschaft: ein Bauunternehmer, ein Beamter, ein Arzt und ein Schriftsteller. Ihre Gemeinsamkeiten bestehen allein darin, dass sie Passagiere erster Klasse und alternde Herren sind. So ist es kein Zufall, dass ein ebenso junges wie armes Liebespaar ihre Aufmerksamkeit erregt: »Diese zwei wohnten noch im Paradies.« Eine Un-terhaltung über den Zauber und die Vergänglichkeit des frischen Verliebtseins entspinnt sich. Schließlich wird beschlossen, die Leere der Nacht im kalten Warteraum mit Erzählungen zu füllen: Jeder der Männer soll (s)eine Geschichte von der ersten großen Liebe berichten.
»Das Mädchen meines Herzens« ist ein reizvoller kurzer Novellenzyklus, in dem Buddhadeva Bose vier Spielarten eines mächtigen Gefühls darstellt. Sein 1951 erschienenes Buch greift Schritt für Schritt in die Vergangenheit zurück und entfaltet sich vor dem Hintergrund der indischen Ge-schichte zwischen 1927 und 1941. In der ersten Erzählung fallen japanische Bomben auf Kalkutta, während der fleißige, aber unbedarfte Tischler Makhanlal mit einer stetig wachsenden Möbelfabrik sagenhaften Erfolg hat. Eine Braut wird gesucht und im Nachbarhaus ins Auge gefasst: Dort lebt die Familie eines verarmten Professors. Makhanlal begnügt sich jedoch damit, der anmutigen Tochter des Gelehrten scheu-genießerisch nachzublicken, wohingegen seine Mutter obsessiven Ehrgeiz an den Tag legt, die Vermählung von Geld und Bildung zu erzwingen. Die stolze Zurück-weisung des Bewerbers verletzt weniger ein starkes Empfinden als die stumpfe Überheblichkeit der Parvenüs.
Romantisch überhöhte, keusche Liebe ist Gegenstand der zweiten Erzählung. Vom silbernen oder tiefblauen Mond beschienen, tauschen ein 17-jähriger Bursche und ein 14-jähriges Mädchen ihre Verzückung nur in Blicken, denn »in dieser äußerst konservativen Zeit kannten wir keine andere Sprache«. Doch bald schon ist dieses Glück seltsame Vergangenheit: Die junge Frau heiratet einen anderen, und der junge Mann fragt sich, ob das alles kindische Schwärmerei gewesen sei – wenn auch nicht wertlos oder billig.
Die dritte Erzählung nimmt den entgegengesetzten Ausgangspunkt: Die Fürsorge eines Arztes für eine labile, unglücklich verliebte Schauspielerin wandelt sich allmählich in Zuneigung und Nähe ... bis die Dame gesundet, ihrem Traummann entsagt, eine arrangierte Heirat platzen lässt und die vernünftige, wohltuende Ehe mit dem Arzt eingeht. Doch diesem bleibt der Stachel, dass er nur ein schwacher Ersatz sein könnte.
Die letzte Geschichte ist die des Schriftstellers: Drei Studenten sind entbrannt für ein Mädchen, das sie »Mona Lisa« nennen. Gegen jede Wahrscheinlichkeit scheint der linkische Dichter ihr Favorit zu werden, da ereilt sie eine schlimme Krankheit. Die »drei Musketiere« stellen nun selbstlos-ritterliche Liebe unter Beweis, indem sie alles tun, um der Angebeteten zu helfen. Sie erdulden mit Freude jede stille Herabsetzung: die fehlende Antwort auf Briefe, das Auftauchen eines glänzenden Bräutigams. Wegen »Mona Lisa« bringt der Schriftsteller seine besten Verse zu Papier, und er ist es auch, der am Ende im Warteraum zu dem Schluss kommt: »Menschen wandeln sich, aber nicht das menschliche Gemüt.«
Buddhadeva Bose verwendet eine meisterhaft knappe und sensible Prosa, um diese Einsicht zu illustrieren. Humor, Beobachtungsgabe und Nachdenklichkeit machen »Das Mädchen meines Herzens« zu einem Kleinod psychologisch-realistischer Erzählkunst. Zugleich liefert das Buch ein charmantes Sittenbild der bengalischen Mittelschicht vor dem Zweiten Weltkrieg.
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Quelle/Foto: Ullstein Buchverlage |
Aus der Redaktion Kunst, Kultur & Genuss
Eine Neuerscheinung
Dieser Roman ist Poesie Dem Autor gelingt es, Liebesgeschichten zu erzählen, die unter die Haut gehen. Wir können diese Buch sehr empfehlen.
Oktober 2010, Petra Schiefer |
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